Gebärdenwelt

Was sind Kindergebärden? Wie ist der Unterschied zu Babygebärden und Babyzeichensprache?

Die Welt der Gebärden ist bunt

Kindergebärden, Babyzeichen, Babygebärden, Gebärdensprache, lautsprachbegleitende und  lautsprachunterstützende Gebärden, gebärdenunterstützte Kommunikation — die verschiedenen Begriffe, die genutzt werden, sind  zunächst verwirrend. Doch eines haben alle gemeinsam: Die Freude an der gemeinsamen Kommunikation.

Kindergebärden – Babygebärden – Babyzeichensprache –  Was ist der Unterschied ?
Hinter allen Bezeichnungen steckt die Idee begleitend zur Sprache Gebärden zu nutzen, um die wichtigste Aussage eines Satzes – das Schlüsselwort – visuell hervorzuheben.
Es werden jedoch nicht irgendwelche Zeichen genutzt werden, sondern Gebärden aus dem Wortschatz von hörgeschädigten Menschen. Deshalb ist der Begriff Babyzeichen nicht richtig. Babyzeichensprache ist ebenfalls nicht korrekt, denn es handelt sich nicht um eine (ausgereife) Sprache, die die Kleinkinder benutzen, sondern eher um ein vorsprachliches Sich-Mitteilen. Der Begriff Babygebärden wäre deshalb passender. Ein Kind ist nur in den ersten zwölf Lebensmonaten ein Baby, dann ist es ein Kind. Kindergebärden ist deshalb die umfasseneste und semiotisch richtige Bezeichnung.

Warumgibt es unterschiedliche Gebärden für das gleiche Wort?
Kindergebärden entsprechen den Gebärden der Deutschen Gebärdensprache – DGS. Das ist die Sprache, die taube Menschen in Deutschland zur Kommunikation nutzen. Kindergebärden sind  weder vereinfacht noch abgewandelt. Und doch kann es sein, dass du unterschiedliche Gebärden für das gleiche Wort siehst. Das hängt damit zusammen, dass auch die Gebärdensprache Dialekte kennt. So wird z.B. Hund in Norddeutschland anders gebärdet als in Berlin. Oder die Wochentage und Monate werden in Norddeutschland anders dargestellt als in Süddeutschland.

Bei der Auswahl von Kindergebärden haben wir Gebärden ausgesucht, die besonders bildhaft sind. So haben wir z.B. für Schneemann die Gebärde ausgewählt, die das Nachformen des Schneemann-Körpers darstellt. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Gebärden aus Schnee und Mann zusammenzusetzen.

Oft sagen Hörende, wenn sie von diesen Unterschieden erfahren: „Die Gebärden kann man doch vereinheitlichen, das ist so verwirrend!“  Hand aufs Herz: Möchtest du statt Brötchen künftig Semmel sagen? Oder soll dein Brathänchen ein Broiler werden?  Oder der Wischlappen ein Feudel? Regionale Unterschiede sind ein Teil unserer Sprach-Kultur. Und so soll es auch bei der Gebärdensprache sein.


Wie unterscheiden sich Gebärdensprache, lautsprachbegleitende und  lautsprachunterstützende Gebärden, gebärdenunterstützte Kommunikation?

Gebärdensprache ist eine Verbindung aus Gebärden, Gesichtsmimik, lautlos geprochenen Wörtern und Körperhaltung. Diese Elemente werden zu Sätzen und Satzfolgen kombiniert, die eine  – von der Lautsprache völlig losgelösten – eigene Grammatik hat. Gebärdensprachen unterscheiden sich nicht nur innerhalb eines Landes sondern auch von Land zu Land. In Deutschland wird Deutsche Gebärdensprache (DGS) genutzt. Österreichische Gebärdensprache (ÖGS)heißt es in Österreich. Und in der Schweiz die Deutsch-Schweizer Gebärdensprache (DSGS).

Lautsprachbegleitende Gebärden (LBG) bezeichnen Gebärden, die zu jedem gesprochenen Wort ausgeführt werden.  LBG sind mit anderen Worten „gebärdetes Deutsch“

Beim Lautsprachunterstützenden Gebärden (LUG) wird – wie auch bei Kindergebärden –  gleichzeitig mit dem Aussprechen der Schlüsselworte die passende Gebärde genutz. Der Unterschied zu Kindergebärden besteht darin, dass beim LUG wesentlich mehr Worte eines Satzes mit Gebärden hervorgehoben werden.

Bei der Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK) werden Kindern Gebärden angeboten, die nur über ein gewisses Maß kontrolliert einsetzbarer Handbewegungen verfügen. Die sprachbegleitenden Gebärden sind deshalb vergleichsweise einfach gehaltenen.